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TIERVERSAND PER OVERNIGTH ODER MITFAHRGELEGENHEIT

Schon lange suchten wir Verstärkung für unsere Zucht, rote American Cresteds sollten es sein. Im Mai 2007 haben wir in einer Zucht die über 500 km von uns entfernt ist einen schönen roten Bock und ein passendes Muttertier mit einem ca. 6 Wochen alten Welpen gefunden. Sie passten von allen Punkten her super in unsere Zucht. Sie sollten es sein! Aber wie bekommt man sie am besten hierher - zu uns?

Wir haben die drei dann per Overnigth-Kurier schicken lassen, weil, machen ja viele Leute und die Tiere werden ja so toll nach Hause gebracht. Alles ganz einfach und bequem - fast wie aus dem Versandhandel!  Wir haben uns zu diesem Zeitpunkt keine Gedanken darüber gemacht ob oder was hier schief gehen könnte oder nicht.

Die "Verpackung" und der Versand wurden von der Züchterin organisiert wo wir die Tiere her haben wollten. Wir sind damals davon ausgegangen, dass dies so in Ordnung ist da wir der Meinung sind oder besser waren, dass jedem Züchter daran liegt das die Tiere gesund und munter beim Empfänger ankommen. Leider mussten wir erleben, dass dies wohl nicht immer so der Fall ist.

Am Tag der Ankunft übergab der Kurierdienst uns einen schon äußerlich winzigen Karton! Da sollten drei Tiere drin sein???

Meine Tochter nahm das Paket an und hat es umgehend geöffnet...

was sie sah war eine Katastrophe.

Der Zuchtbock mit einem Gewicht von 1200 gr. lag tot in einem kleinen Karton der in den etwas größeren Karton festgeklebt war. Das Muttertier mit dem Welpen waren total verstört und "durch den Wind"... aber die beiden lebten - gerade noch! Die beiden Mädel kamen sofort in eine schon extra für sie vorbereitete Box. Wir haben sie mit Futter und Wasser versorgt und erst mal ganz in Ruhe gelassen. Sie haben über eine Woche gebraucht um wieder halbwegs "normal" zu werden. Selbst einen Schweinchen-TÜV und einen Transport zu unserer Tierärztin hätten wir den beiden nicht mehr zumuten können.

Unsere ganze Familie - selbst unsere Oma - wird den Ankunftstag der Schweinchen nie mehr vergessen! Wir haben alle komplett unter Schock gestanden!

Wie kann man nur so Tiere verschicken??? Als Züchter sollte man doch sicherlich darauf bedacht sein, dass die Tiere auch gesund und munter ankommen?

Sicher werden einige jetzt sagen "selber Schuld" warum habt ihr sie schicken lassen! Ja, ok... nur leider sind bestimmte Zuchttiere nicht mal eben um die Ecke zu bekommen. Aber nicht nur Züchter, sondern auch Tierheime und Nostationen schicken immer mehr und öfter per Overnigth-Kurier oder Mitfahrgelegenheit.

Hier mal drei Originalfotos dazu, gemacht am Tag der Ankunft:


 Ohne Worte!


Ohne Worte!


Ohne Worte!

Ja traurig aber wahr, die Fotos sprechen für sich und sind ohne Worte weil mir dazu nichts, aber auch rein gar nichts mehr einfällt!!!

Dieser schöne stattliche Bock... der eigentlich unsere Zucht verstärken sollte, ist elendig und völlig umsonst - im wahrsten Sinne des Wortes - krepiert!!!

Der tote Bock und der Versandkarton wurden durch unsere Tierärzte begutachtet und das verstorbene Tier der Pathologie überstellt. Der Versandkarton ist dem Veterinäramt übergeben worden! Dieser war im ganzen viel zu klein, es waren zu wenig und zu kleine Luftlöcher darin... und der kleinere Karton, der in den etwas größeren geklebt wurde.... er war viel, viel zu klein. Der Bock konnte sich nicht mal richtig umdrehen und durch die Luftlöcher konnte keine Luft weder hinein- noch herauskommen. Der ganze Karton war von außen überhaupt nicht als Tierversand deklariert. Sämtliche Aufkleber und Angaben vom Inhalt und der evtl. Notversorgung fehlten komplett! Auch die schwülen Temperaturen des Abholtages waren nicht ohne. Hier trifft nicht nur die Züchterin die Schuld - das Versandunternehmen hätte die Sendung so auch nicht transportieren dürfen!!!

Dies war uns eine mehr als schreckliche Erfahrung und wir möchten Euch hiermit darüber aufklären, es muß nicht sein das Ihr ebenfalls solche Schockerlebnisse mitmachen müsst. Leider wird es wohl auch in Zukunft immer mal wieder passieren, das ein Tier auf dem Versandweg - aus welchen Gründen auch immer - verstirbt, jedoch kann man einige Risiken die ein Versand mit sich bringt doch enorm minimieren wenn man einige grundlegende Dinge dabei beachtet.

Da der Versand per Kurier oder Mitfahrgelegenheit nicht nur unter Züchtern sondern auch unter Liebhabern und Notstationen immer beliebter wird, habe ich mich mit dem Thema intensiv auseinander gesetzt. Das nur "gesunde" Tiere verschickt werden dürfen sollte wohl für jedermann klar sein. Tiere die schon Herz- und/oder Kreislaufprobleme haben oder vielleicht behindert oder trächtig sind sollten überhaupt nicht verschickt werden. Jungtiere die ohne ihre Mutter reisen, sollten ein Mindestgewicht von 500 gr. erreicht haben. Leichtere Jungtiere (mind. ab 400gr.) sollten nur mit der Mutter zusammen reisen, leichtere Babies (unter 400gr.) sollten gar nicht verschickt werden. Gerade Meerschweinchen sind ja sehr stressanfällig und sollten daher nur mindestens zu zweit verschickt werden, so haben sie jemanden dabei um die Angst wenigsten zu teilen und sie fühlen sich als Rudeltier dadurch nicht ganz so alleine.

Ich habe mit Tierärzten, dem Veterinäramt und diversen Transportunternehmen gesprochen. Leider ergaben sich in den Gesprächen immer wieder das Tiere - und hier sind nicht nur Meerschweinchen gemeint - immer wieder "falsch verpackt" werden. Dadurch können Tiere ausbüchsen oder eben auch ums Leben kommen. Teilweise sollen sogar die Kurierfahrer selber in Lebensgefahr geschwebt haben und verletzt worden sein, weil Tiere auf einmal durch den Wagen sprangen, dem Fahrer auf der Schulter oder zwischen den Füßen saßen und die Fahrer haben durch den Schreck Autounfälle verursacht.

Vom Gesetzgeber gibt es die s.g. Verordnung zum Schutz von Tieren beim Transport nachzulesen hier:               

Leider besteht nicht immer bei jedem die Möglichkeit das Tier persönlich abzuholen und wie in unserem Fall die weite Strecke zu berücksichtigen wäre. Unter Berücksichtigung der Kosten… 2 Tankfüllungen a’ ca. X Euro… die vielen Stunden Fahrzeit…. Eine Übernachtung müsste sein, da ich nicht in der Lage bin eine solche Strecke durchgehend zu bewältigen. Da ist ein Versand natürlich wesentlich kostengünstiger und auch bequemer.

Man sollte auf keinen Fall an der falschen Stelle sparen und für einen ordentlichen Transport auch eine extra für Tiere erhältliche Transportbox aus Kunststoff nehmen, diese können nicht durch Feuchtigkeit (Pippi – Regen - Trinkwasser) durchweichen und die Tiere können sich nicht durchnagen. Einfach einen stinknormalen Karton nehmen um es so billig wie möglich zu haben ist nicht sehr sinnvoll und von den Transporteuren auch nicht unbedingt gern gesehen. Auch die Tiere werden es Euch danken. Es gibt heut zu Tage immer wieder Sonderangebote in diversen Tiergeschäften… teilweise sogar in Baumärkten die Tiertransportboxen unter 10,- Euro anbieten. Auch Nippelflaschen gibt es für unter 2,00 Euro. Hinweis: bei Internetauktionen oder auf Trödelmärkten kann man auch sehr günstig gebrauchte Boxen erstehen!

Hier besteht die Möglichkeit den Versender der Tiere zu beauftragen solch eine Box zu besorgen, (die Kosten hierfür trägt normalerweise der Käufer der Tiere) und die Tiere darin dann zu schicken, oder aber man hat eine eigene Box und Nippelflasche zu Hause und schickt diese im voraus mit einem Postpaket (Hermes ist günstiger als die Post) zu dem Züchter oder Notstation, der dann darin die Tiere zurückschicken kann. Auch gibt es im Internet diverse Anbieter von speziellen Tierverpackungen für den Transport. Dies sollte jedem der ein Tier per Versand o.ä. zu sich kommen lässt doch auch Wert sein. Mehrkosten hierfür ca. 10,- bis 15,- Euro. Was nichts im Gegensatz ist zu dem Ärger der entsteht, wenn ein Tier tot ankommt.

Bei der privaten Mitfahrgelegenheit sollte man sich die Menschen denen man sein Tier/Tiere anvertraut gut ansehen, lassen sie sich den Ausweis zeigen oder notieren sie das Autokennzeichen… man kennt sie nicht. Man weiß nicht wie sie mit den Tieren umgehen… Kennen sie sich mit den Tieren wenigstens etwas aus? Nehmen sie sie vielleicht unterwegs mal raus, nur weil sie ja ach so süß sind? Fahren sie den direkten Weg zum vereinbarten Treffpunkt? Wer übernimmt die Haftung wenn die „Sendung“ unterwegs – aus welchen Gründen auch immer - komplett verloren geht? Werden die Tiere im dunklen, muffigen Kofferraum zwischen Koffern oder Müll transportiert? Oder stehen sie vielleicht im Durchzug? Stehen sie im Fußraum – was ist mit dem Lüftungsgebläse oder der Heizung? Oder stehen sie auf dem Rücksitz in der prallen Sonne? Wird in dem Wagen geraucht? Gibt es eine Klimaanlage? Was ist mit überlauter Musik…. Meine Schweinis mögen jedenfalls keine "Ballermusik"! Alles Sachen die gut überlegt werden sollten.

Wenn man sich für einen Kurierdienst entschieden hat, sollte man sich die AGB’s auf jeden Fall gut ansehen. Die Vorraussetzungen der Verpackungsgröße, des Wetters usw. genau durchlesen. Man kann mit den Leuten von den Versandunternehmen reden und auch noch mal persönlich nachfragen… ich habe bis jetzt immer alle Fragen die ich für die Ausarbeitung dieses Themas hatte sehr freundlich und geduldig beantwortet bekommen.


WIE SOLLTE DIE „VERPACKUNG“ ALSO AUSSEHEN?

Lt. Unserem Veterinäramt werden für Meerschweinchen die Verpackungsgrößen von Kaninchen zu Grunde gelegt. Die Größen kann man hier nachlesen:

In jedes Versandbehältnis gehört ebenso eine auslaufsichere Wasserflasche (Vorschrift lt. Vet.-Amt)!  Bitte keine Joghurtbecher o.ä. verwenden, diese kippen um, sodass die Tiere im nassen sitzen und bei Verwendung eines Pappkartons, kann dieser komplett durchweichen – die Tiere könnten auch beim anheben des Kartons dann unsanft auf den Boden knallen…… und dann???    Nur Naßfutter wie Gurke o.ä. ist ebenfalls nicht ausreichend!

Futter für das entsprechende Tier muss selbstverständlich auch immer hinein. Die Versorgung sollte für den Notfall immer für die Hin- und auch die Rückreise reichen, falls mal was dazwischen kommt und die Tiere die Rückreise antreten müssen. Die Box sollte mit „saugfähigen Materialien“ wie Einstreu o.ä. versehen sein.

Eine ausreichende Luftversorgung muss gegeben sein… es reicht nicht aus wenn man 2 oder 3x  mit der Schere an jeder Seite eines Kartons hineinsticht…


Auf die Versandbox selber gehören Aufkleber: 

- die Ernährung für den Notfall wie: „Notversorgung: Heu, Möhren, Gurke, Apfel, Wasser“

- mehrere – rundherum - Aufkleber „Vorsicht lebende Tiere“  am besten in auffallender Farbe.  



- Wichtig sind auch der Empfänger und der Absender mit kompletter Anschrift und einer auch erreichbaren Rufnummer des Ansprechpartners… falls mal was dringend nachgefragt werden muss.

 - Außerdem sind auf der Sendung die Angaben über die Art / Rasse, dem Alter und die Anzahl der Tiere zu machen.


So oder ähnlich sollte die Sendung deklariert werden!

Einige Transportunternehmen bieten solche oder ähnliche Aufkleber als Downloads an (funktioniert bei mir leider gerade mal wieder nicht)! Auch kann man sie schnell und einfach selber erstellen. Wenn man kein Aufkleberpapier hat, kann man auch normales Papier nehmen und dies dann mit Kleber oder Klebeband auf der Versandbox festkleben.

Eine ordnungsgemäße Transportbox sollte also so oder ähnlich aussehen:


Die Größe der Transportbox richtet sich nach der Anzahl der zu verschickenden Tiere.


Die Aufkleber mit der Notversorgung, der Warnhinweis das dies lebende Tiere sind, sowie Anzahl usw. (siehe Aufkleber) und die Ansprechpartner gehören gut lesbar auf die Box.


Von allen Seiten der Aufkleber das es sich hier um lebende Tiere handelt.


Eine Wasserflasche und ein Futternapf - in diesem Fall sehr gut mit Strapsen am Gitter zu befestigen. Der untere Teil des Gitters wurde mit PCV und Strapsen verschlossen um ein herausfallen des Streus zu verhindern und den Schweinzels etwas mehr geschützten Raum zu bieten. Die Belüftung ist im oberen Teil der Box genügend gegeben.

Solch eine Kunststoffbox kann auch nicht so einfach durch andere Kisten o.ä. zugestellt werden - die Belüftung ist weiterhin gegeben. Es ist anhand der Box sofort ersichtlich das es sich um einen Tiertransport handel.

Das aus Kostengründen immer wieder an der Verpackung und den Versandkosten gespart wird ist eigentlich unverantwortlich dem Tier gegenüber welches den Versandweg – auch ungewollt – antreten muss.  Die Sicherheit der Kleintiere sollte auch hier doch immer im Vordergrund stehen. Und wer wirklich ein Tier ob per Kurier oder per Mitfahrgelegenheit haben möchte, der nimmt auch gerne hierfür die Mehrkosten in Kauf, denn jedes tote Tier aufgrund schlechter Verpackung ist ein totes Tier zuviel.

DANKE AN:

Meine Tierärztin

Meinen Rechtsanwalt

Das Veterinäramt der Stadt Dortmund

Die beiden Transportunternehmen

Pandakurier

Geovex

Sie alle haben mir bereitwillig Auskunft erteilt und mich in meiner Sache und dem allgemeinen Tiertransport gut beraten. 





Verfasser: © by Birgit Neumann                                       September 2007

Es ist nicht gestattet, ohne ausdrückliche schriftliche Genehmigung diese Texte und Bilder zu kopieren, zu speichern oder anderweitig zwecks Veröffentlichung o.ä. zu verwenden!

Diese Texte und Bilder dienen ausschließlich der Aufklärungsarbeit über den Tierversand in Bezug auf Meerschweinchen. Ich übernehme keine Haftung für eingefügte Links und auf Vollständigkeit und/oder Richtigkeit der Angaben!